Donnerstag, Dezember 03, 2009

Adventistisches Weltdorf Teil 2

Wenn man will, kann man hier, sein Englisch aufbessern und mit ausländischen Studenten Filme auf englisch anschauen. Hier werden auch englischsprachige Masterstudiengänge angeboten, weswegen sich da auch niemand beschweren darf, dass die Leute, die hier studieren durch solche Sachen kein Deutsch lernen :-)
Vor einigen Wochen gab's hier also mal den Film Blood Diamond zu sehen. Wenn man den Film anschaut, meint man, Afrika sei ein wunderschönes aber blutrünstiges Land. Kindersoldaten, die mit Drogen aufgeputscht werden. Junge Männer, die anderen jungen Männern (Schwarze gegen Schwarze) mit einer Machete die Hände abhacken und das alles in grünen Bergen (Siera Leone ist der Ort der Handlung).
Neulich saßen ich und zwei weitere Deutsche beim Mittagessen mit Studenten aus Afrika zusammen. Ein Volunteer aus Simbabwe, ein Theologiestudent aus Tansania und ein Socialwork Student aus Ruanda.
Was fällt einem eigentlich zuerst ein, wenn man Ruanda hört? Ich denke an Völkermord. Hutu und Tutsi. „zu welchem Stamm gehörst du eigentlich“ hat einer von uns Deutschen gefragt. Der Student aus Ruanda wollte uns aber nicht verraten, welcher Ethnie er angehört. „Nach dem Krieg haben wir beschlossen, dass wir nicht mehr in Volksgruppen teilen. Ich will vergessen, zu wem ich gehöre, weil wir alle zusammen gehören.“ Der Volonteer aus Simbabwe kennt eine Geschichte von einem adventistischen Pastor, zu dem sind Adventisten gekommen, die zur anderen Volksgruppe gehörten. Die haben ihn um Schutz in der Kirche gebeten. Er hat sie reingelassen und ist dann weggegangen. Ein Junge von den 20 Leuten, die sich in der Kirche versteckt hielten, ist dann aus irgendeinem Grund aber wieder raus. Und da hat er gesehen, wie der Pastor mit seinem Clan, der bewaffnet war, ankam. Der Junge ist abgehaun und hat's den Leuten in der Kirche nicht erzählt.
„Is this true?“ fragt der tansanische Student sichtlich aufgewühlt. „I don't know if this story is true, but it could be“ meint der Ruandaner und erzählt von Adventisten die, die Woche über getötet haben und dann brav am Sabbat von ihren Werken ruhten, um danach am Sonntag weiter zu metzeln. Im übrigen hat man in Ruanda zum Töten alles genommen, was man so gefunden hat. Besonders gerne Macheten. „Absolutely crazy!“
Aber auch aus Simbabwe weiß der Volonteer von Gewalt zu berichten. Dort hat Robert Mugabe (den gibt’s dort immer noch in der Regierung) bis ca 1986 versucht einen Volksstamm auszurotten. Ndbele heißt der (und spricht übrigens eine lustige Sprache. Da kommen einige seltsame Knacklaute vor. „But the bushmen have manny more!“). Der Volonteer meint, sein Vater habe ihm erzählt, dass es einem nicht auffällt, dass man seit 10 Tagen nichts mehr gegessen hat und man sich trotzdem noch durch den Wald schlagen kann, wenn man um sein Leben rennt.
Gegenüber den anderen beiden Ländern scheint Tansania weniger blutrünstig zu sein. In der letzten Zeit gab es dort jedenfalls keine Bürgerkriege. Allerdings sind Tansanias Nachbarstaaten nicht ganz ohne. So hatte Uganda einen Diktator, der Ende der 70er auch mal Tansania angegriffen hat, und auch krass drauf war, was Menschen abschlachten anbelangt. Momentan gibt es in den Grenzregionen Flüchtlingscamps, in denen Menschen aus dem Kongo und Burundi Schutz suchen.
Als Fazit der Lädervorstellung halten wir fest, dass Ruanda wohl das alles toppt. Begründung: „well organized“. Das Genozid war einfach zu perfide durchorganisiert. Per Fernsehen gab es sogar Aufrufe nun zu den Waffen zu greifen und die andere Volksgruppe zu töten, quasi seine Nachbarn. Denn die verschiedenen Bevölkerungsgruppen haben nicht getrennt voneinander gelebt.
Da haben mal wir Deutchen ein bisschen von unserer Geschichte erzählt. Davon, was man hier auch alles gut organisert hat. Mir schien, dass die Drei vorher nicht wirklich wussten, was in Deutschland vor 60 Jahren abgelaufen ist. Auf jeden Fall waren wir alle berührt, wie das so ist, mit der Grausamkeit und mit Krieg. Das ist so abartig, dass man sich verbunden fühlt, weil man in seinem Heimatländern das Abschlachten von bestimmten Bevölkerungsgruppen kennt.
In „Blood Diamond“ ist Leonardo DiCaprio ein zwielichtiger, desillusionierter Diamantenschmuggler. An einer Stelle erzählt er, dass er nicht an das Gute im Menschen glauben kann, weil das alles ein bisschen zu krass ist, was er in seinem Leben in Afrika gesehen hat. Als wir den Film angeschaut haben, hat an der Stelle ein Typ aus Burma (der nach seinem Studium auch wieder zurück ins Land will) gelacht und gesagt: „For him it might be true.“
Ich glaube hier Theologie zu studieren, um danach loszuziehen um anderen von Jesus zu erzählen, ist nicht das schlechteste, was man auf dieser Welt machen kann.